Unsterbliche Gier

23. BOR 1016 BF – Finale

Montag, Februar 16th, 2009

Das Aufstehen an diesem Morgen fällt schwer. Ein Unwetter zieht auf und verflüssigt die Grenzen zwischen Tag und Nacht noch mehr als es sowieso schon der Fall ist in diesem härtesten weidener Winter seit zwanzig Jahren. Es ist fast so, als wolle das Wetter die Helden daran hindern, ihr Ziel zu erreichen. (Tatsächlich will es sie nur ausbremsen, so dass sie erst am Abend am Nachtschattensturm aufkreuzen. Faktisch war mein Weg zur Grundschule länger als der Weg von Baliho zum Turm, da muss man schon tricksen.)

Miriels Auge folgend erreichen die Helden also bei Sonnenuntergang (?) den Nachtschattensturm. Die Eisfläche wird mit einem großzügig bemessenen SOLIDIRID überquert. Auf der Insel können sie sich erstmal so richtig austoben. Vier Vampire inklusive Positionsspiel, Verfluchungen und kämpferischen Gleichgewicht (2 Kämpfer, ein Bauer, ein Kind) sind alles andere als leicht zu überblicken. Besonders für mich. Zenja muss feststellen, dass das Kind unter den Vampiren der kleine Peldor Blaufüchsen ist, was sie natürlich schwer trifft. So sadistisch bin ich dann doch. Nemesis erledigt den Lütten.

Nach dem Kampf betreten meine Helden den Turm. Gleich im zweiten Raum begegnen sie dem VIP des Jahres. Es ist Zeit für den Auftritt des einzig Wahren Meisters. Vergesst Pardona oben im 1. OG, die ist nur ein blasses Abziehbild im Vergleich zu dieser (un-)lebendigen Definition von Krassizität. Wenn ich in Kapitälchen-Lettern hätte sprechen können, hätte ich diese Gabe für seine Dialoge verwendet – ganz sicher. Die Rede ist von Walmir von Riebeshoff, und so oder so ähnlich habe ich ihn meinen Helden beschrieben. Ich gebe zu, die beeindruckende Illustration von Caryad auf Seite 163 hat mich dazu verleitet. Meinen Vortrag über die o.g. Krassizität schließe ich mit dem einfach strukturierten und auch für Spieler verständlichen Satz ab: “Der ist so unburnbar, der hat keine Kampfwerte.” Entgegen dem eindringlichen Willen Hadmars wird Walmir in diesem Abenteuer nicht sterben. So viel ist schon mal klar.

Die Helden lassen sich auf einen Deal mit ihm ein: Sie lassen ihn frei aus seinem goldglänzenden Gefängnis und dafür wird er ihnen bei ihrem Kampf behilflich sein. Schließlich habe Pardona ihn hier nicht deponiert, weil sie ihn für harmlos hält, gelle? Ein Artefakt nach dem anderen wird entfernt. Der Erzvampir tritt hinaus in die Freiheit, nimmt einen tiefen Atemzug und wendet sich zum Gehen, natürlich nicht ohne den verdutzt dreinschauenden Recken noch einmal für seine Befreiung zu danken. Den höflich hervorgebrachten Hinweis auf die eben geschlossene Abmachung schmettert er mit einem “Ich bitte Euch. Es zeugt von unvergleichlicher Naivität, zu glauben, ich würde in diesem Kampf Partei ergreifen” zurück. Zwischen den Zeilen: “Ich bin keine 700 Jahre alt geworden, indem ich mich an die Spielregeln gehalten habe, also Cheerio!” Immerhin warnt er noch vor dem Grakvaloth in Pardonas Gepäck.

Im Obergeschoss des Nachtschattensturms nun findet das unheimliche Ritual statt, von dem die Helden immer noch nicht genau wissen, wozu es eigentlich dienen soll. Sicher ist nur, dass eine Menge Opferblut dafür fließen musste. Und auch die vier nervigen Harpyien sind wieder da, halten sich aber eher zurück, da sie die Wutausbrüche Aelindîrs ja bereits kennengelernt haben. Dieser widmet seinen Zorn jedoch eher der Zerstörung des Kessels in der Mitte des Tridekagramms, nachdem er feststellen musste, dass Pardona trotz ihrer Konzentration noch sehr wohl in der Lage ist, Projektile von sich abzulenken. Doch auch die fortwährende Beschädigung des Kessels kann die Fleischwerdung Borbarads nicht verhindern.

In der Geschichtsschreibung verankert und auch hier einziger Erfolg der Helden im Finale ist die Tatsache, dass Borbarads Adoniskörper mit dem Makel der sechs Finger pro Hand gezeichnet ist. Interessanterweise trifft dies für jeden später von ihm “bezogenen” Körper zu. Als einen Erfolg in Sachen Schadenfreude kann außerdem die beiläufige Zurückweisung Pardonas betrachtet werden, als diese ihn von einem Pakt mit dem Namenlosen überzeugen will. Frauen können so überreagieren. Besonders Pardona. Borbarad verzieht sich.

Den Grakvaloth weist Pardona an, sich um die Helden zu kümmern. Wieder beim Thema Sadismus angelangt, nimmt dieser Anlauf und stürzt sich auch direkt auf das schwächste Mitglied des Bundes: Zenja. Bereits seit einigen Aktionen einen Exorzismus vorbereitend sieht sie noch, wie der Dämon mit den Krallen voran zum ersten Sprung ansetzt… und dann fallen drei Einsen in der Liturgieprobe und der Heldengruppe weht ein Wind aus buntem Blütenstaub um die Ohren. Stille. Beifall.
Mal ehrlich, wer kann schon behaupten, in einer solchen Situation mal drei Einsen gewürfelt zu haben? So etwas passiert allenfalls bei den unwichtigen Holzbearbeitungs-Proben oder beim Anschleichen an das Jagdwild. Aber das hatte jetzt wirklich Stil.

Diese Aktion (stellvertretend für jede andere Aktion, die zum Ableben des Grakvaloth geführt hätte) verleitet nun und auch Pardona dazu, die altbekannte Gletscherwurm-Nummer abzuziehen. Zwar wird sie noch einige Zeit lang dem elfischen Pfeilhagel ausgesetzt, aber auch sie hat keine Kampfwerte…

Ende.